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100 Jahre Waldorfschulen

In diesem Jahr feiern die Waldorfschulen weltweit „Waldorf 100“- die Waldorfpädagogik wird 100 Jahre „jung“ und weltweit finden Veranstaltungen statt. 

Alles begann vor 100 Jahren, als Rudolf Steiner, Philosoph, Publizist und Begründer der Anthroposophie, in der unruhigen Zeit nach Ende des ersten Weltkrieges für soziale Reformen warb.

Der Stuttgarter Unternehmer und Leiter der Waldorf-Astoria Zigarettenfabrik, Emil Molt, ergriff die Chance, diese Ideen durch die Gründung einer neuartigen Schule konkret umzusetzen. Er bat Rudolf Steiner um die Gründung einer Schule für die Kinder seiner Arbeiterinnen und Arbeiter, um ihnen so Bildungschancen zu eröffnen und ihnen damit den sozialen Aufstieg zu ermöglichen. Steiner kam diesem Wunsche gerne nach und so wurde die erste Waldorfschule im September 1919 in Stuttgart eröffnet und von Steiner bis zu seinem Tod 1925 geprägt. Der Name „Waldorf“ leitet sich von Molts Zigarettenfabrik „ her.

Steiner legte in seinen Lehrerkursen, auf Grund der von ihm entwickelten Menschenkunde, das Fundament für eine pädagogische Praxis, aus welcher sich bis heute immer neue Initiativen und Institutionen für eine zeitgemäße Erziehungskunst entwickeln. Sein Blick auf das Kind als eine sich entfaltende Individualität war zu seiner Zeit revolutionär. Dieser „Blick“ fasst die leibliche, seelische und geistige Existenz differenziert ins Auge, es geht um eine ganzheitliche Menschenbildung für Herz, Hand und Kopf. Die gesamte Didaktik und Methodik orientiert sich an der Förderung der Entwicklung der menschlichen Persönlichkeit. „Das Kind in Ehrfurcht aufnehmen, in Liebe erziehen, in Freiheit entlassen“ (Rudolf Steiner).

Heute gibt es weltweit rund 1.200 Waldorfschulen sowie knapp 2.000 Waldorfkindergärten in rund 80 Ländern der Erde. In Deutschland lernen 87000 Schüler in 245 Schulen, jede fünfte Schule ist innerhalb der letzten zehn Jahre entstanden.

Heute wie damals stehen die Waldorfschulen vor Herausforderungen und sie stellen sich den brennenden Gegenwartsfragen im Bildungsbereich. Auch heute heißt es: Mit der Zeit zu gehen, als Zeitzeuge wach und geistesgegenwärtig zu sein, Interesse an der Welt zu haben und vor allem, in einen offenen und ehrlichen Dialog mit unseren Mitmenschen, mit Kollegen, Schülern, Eltern, aber auch mit dem außerschulischen Umfeld zu treten. Nicht nur für die SchülerInnen gilt: Lernen, um die Welt zu verändern.

Das Autonomiekonzept der Waldorfschulen ist eine der größten Herausforderungen. Jeder Lehrer, jede Schule ist vollständig für sich selbst verantwortlich.  Der Unterricht geschieht aus der Kenntnis der Entwicklungsbedürfnisse der Kinder und Jugendlichen, das Ziel ist die „Erziehung zur Freiheit“. Die Vielfalt der Fächer und die Suche nach einem Gleichgewicht zwischen Kunst, Wissenschaft und praktischen sowie sozialen Fertigkeiten ermöglicht Angebote und Herausforderungen. Zur gesunden Entwicklung gehört die Erfahrung, selbst tätig zu sein, die bei Kindern und Jugendlichen Selbstvertrauen und Zukunftsvertrauen fördert, handwerklich– künstlerischer Unterricht sowie Projekte, in denen die Schüler individuell kreativ sein dürfen.

Als Beispiel für unsere Schule in Essen sei hier unser Circus Campanello genannt, der Kinder und Jugendliche der Rudolf-Steiner-Schule, Regelschule, der Parzival-Schule, Förderschule für emotionale und soziale Entwicklung und Lernen sowie dem Heliand-Zweig, Förderschule für geistige Entwicklung, vereint. Die gemeinsame Arbeit in einer Atmosphäre der gegenseitigen Achtung, der Akzeptanz und Toleranz stärkt die Schülerinnen und Schüler und insbesondere die Zirkusvorstellungen schenken den Kindern und Jugendlichen wachsendes Selbstvertrauen.

Elternmitarbeit wird an Waldorfschulen groß geschrieben. In Essen tragen die Eltern u.a. das Sommerfest und den großen Adventsbasar und wirken in unterschiedlichen Gremien verantwortlich mit.

In einem Artikel zu Waldorf 100 ist von einer Mutter zu lesen: „Wenn die Waldorfschulen in Zukunft mit einem starken Selbstbewusstsein ihre Position in der Bildungslandschaft herausstellen wollen, dann geht das nicht ohne die Eltern. Dafür müssen aber nicht nur unser Verstand und unser Organisationstalent, sondern auch unsere Herzen aktiviert werden.“ Auch hier sei als Beispiel für unsere Schule auf den Circus Campanello verwiesen, in dem zahlreiche Eltern voller Begeisterung, mit viel Inspiration und mit sehr großem Engagement mitarbeiten.

 

 

     

Waldorf100 - Was hat bisher in Essen stattgefunden?

Staffellauf durch Deutschland

Das Sportprojekt von Waldorf100 verbindet die Schulen in Deutschland, denn Sport begeistert und vereint die Menschen - ganz im Sinne des großen Jubiläumsfestes. Der Startschuss fiel mit dem Flensburg Marathon am 10. Juni 2018 zusammen. Unsere Schüler übernahmen das Staffelholz von Bochum und trugen es nach Mülheim. 

 

Kartentausch

Die Idee: Jede Waldorfschule weltweit schickt jeder Waldorfschule weltweit eine Postkarte. Dazu wurden 1,4 Millionen Postkarten gedruckt, je 1.200 Karten wurden an 1.200 Schulen verschickt und sollten von Schülern aller Altersstufen gestaltet und dann losgeschickt werden. Aus den eingehenden Karten kann jede Schule ein wunderbares Porträt der Schulen in aller Welt entwerfen. Unsere „Waldorfweltkarte“ hängt im Foyer der Rudolf-Steiner-Schule.    

 

2022 feiern wir in Essen 50 Jahre Waldorfschule
Es gab eine erste Waldorfschule in Essen von 1922 bis 1936. Diese musste aber, nachdem sie ein reiches Leben in Essen entfaltet hatte, nach 14 Jahren intensiver Arbeit schießen. Irene Wollborn, ehemalige Lehrerin: "Im Herzen aller aber war die Hoffnung lebendig, dass der Keim dieser Arbeit die dunklen Zeiten überdauern und einmal wieder sich entfalten würde."

Der Gründungsimpuls zu unserer jetzigen Schule wurde in den großen Zusammenhang des "Ringes Freier Gemeinschaften aus anthroposophischer Initiative" eingebunden, zu dem auch der Kindergarten und das Bettina- von- Arnim Haus gehören. Der Grundstein für alle Gebäude liegt zentral unter dem Festsaal der Rudolf-Steiner-Schule.